Start Aus der Chronik zum 100-jährigen Geburtstag 2008

Aus der Chronik zum 100-jährigen Geburtstag 2008

1. Die Idee

Bereits kurz nach der Jahrhundertwende trugen sich einzelne Natur-Liebhaber mit dem Gedanken, in Ingolstadt einen Aquarien- und Terrarienverein zu gründen.

Im November 1908 fasste der Bahnmeister Stromberger aus Gaimersheim den Entschluss, die Idee eines solchen Vereins in die Tat umzusetzen, getreu der Erkenntnis des lateinamerikanischen Bischofs Camara:

„Wenn einer träumt, bleibt es ein Traum; wenn viele träumen, beginnt der Traum Wirklichkeit zu werden“.

In einem „Zeitungsaufruf“ wurde diese Idee schließlich veröffentlicht.

2. Gründung des Vereins

Nicht zuletzt waren es die beiden Vorstandsmitglieder des Augsburger Vereins für biologische Aquarien- und Terrarienkunde Wasserstern e.V., Herr K. Riedel und Herr H. Flurl, die der Gründungsversammlung durch eigene Vorträge zum großen Erfolg verhalfen. Etliche Ingolstädter Bürger nahmen bereits an dieser Versammlung teil.

Nach einer ausgiebigen Begutachtung der aus Augsburg mitgebrachten Fische, Schildkröten, Eidechsen und Schlangen waren sich alle Anwesenden schließlich einig:

Wir gründen unseren eigenen Zoo-Verein in Ingolstadt !

24 Interessenten erklärten am 10.11.1908 spontan ihren Vereins-Beitritt.

Man nannte sich:

– Verein für biologische Aquarien- und Terrarienkunde Wasserstern Augsburg e.V. Gruppe Ingolstadt –

3. Der eigene Weg

Als erster Vereins-Vorsitzender fungierte von 1908 – 1912 Brauereidirektor Fritz Giegold. Vereinsmitglieder zahlten damals pro Monat und Nase 0,40 Reichsmark. Nach Ablauf des 1. Vereinsjahres zählte der Verein bereits 38 Mitglieder.

5 Jahre nach der Gründung löste sich die Ingolstädter Abteilung vom Hauptverein Augsburg und führte nun den Namen:

Wasserstern, Verein für biologische Aquarien- und Terrarienkunde und dem einschlägigen Naturschutz e.V. Ingolstadt

Der Verein wuchs weiter, es wurden laufend Vorträge und gesellige Veranstaltungen abgehalten, bis der Ausbruch des 1. Weltkrieges das Vereinsleben zum Erliegen brachte. Auch noch nach Kriegsende zeigt das Protokoll große Lücken; und so wird erst wieder im Jahre 1928 von einer Aquarienaustellung berichtet.

4. Die Freilandanlage und neue Kriegszeiten

Seit langem hegt man den Wunsch, eine eigene Freilandanlage zu errichten. Dem Gründungsmitglied, Herr Himmer (Vorstand 1912 – 1934), gelang es zusammen mit der Vorstandschaft nach langwierigen Verhandlungen ein Stück Ödland an der Schutter zu erwerben. 1932 wurde mit der Gestaltung der heutigen Freianlage begonnen und das verwilderte Grundstück in unzähligen Arbeitsstunden kultiviert. Drei Weiher, ein großer Steingarten sowie geräumige Freilandterrarien für einheimische Amphibien und Reptilien entstanden in dieser Zeit. 1937 folgte dann der Bau des Vereinsheimes.

Auch für die Zeit des 2.Weltgrieges, 1939 bis 1945, lassen sich keine Eintragungen in das Vereins-Protokoll finden. Ein weiteres Mal hatte ein Krieg dem Vereinsleben ein vorläufiges Ende gesetzt.

Ein großer Verlust war der Tod unseres ersten Alligators Maxl, der von der einrückenden amerikanischen Armee erschossen wurde.

5. Die Zeit danach

Die damaligen Vorstände, beginnend mit Josef Aurbach (1934 – 1949), Karl Schlagbauer (1949 – 1950), Max Meyer (1950 – 1954) und schließlich Hans Kisslinger (1954 – 1983) setzten alles daran, das begonnene Werk weiterzuführen und auszubauen. In den Jahren 1984 bis 2005 stand Erich Fischer schließlich dem Verein vor. Seit 2005 führt Karl-Heinz Prestele als 1. Vorsitzender den Wasserstern.

1949 war in der Freianlage die erste Ausstellung nach dem Krieg zu sehen und bereits 1950 entstand im Keller des Vereinsheimes die erste Aquarienanlage; diese wurde aber im Jahre 1963 wegen Überalterung abgerissen.

Eine neue, moderne Aquarienanlage entstand in den Jahren 1963 – 1964 und wurde 1966 durch ein Mittelmeer-Aquarium erweitert.

6. Ausbau der Zoo-Anlage

Der Ausbau der Zoo-Anlage erfolgte 1964 – 1965 durch den Bau mehrerer Käfige und Gehege für Säugetiere am südlichen Schutterufer.
Nachdem in den Wintermonaten die Unterbringung mancher Tiere Schwierigkeiten bereitete, errichtete man ein Warmhaus, dessen Fertigstellung im Oktober 1966 erfolgte.

Nach Regelung der Grundstückgrenzen am Aloisiweg und an der Gerolfingerstraße war 1968 der Weg frei zum Bau einer unterkellerten Terrarienanlage mit Lager, Futterraum, Werkstätte und Zentralheizung.

Dem damaligen Chronisten zufolge sollten hiermit die Bautätigkeiten ein Ende haben. Er irrte sich, denn er hatte nicht mit der Begeisterung der Mitglieder und den Betreuern der einzelnen Tiergruppen gerechnet.

In den Jahren 1968 – 1983 wurde unsere Anlage weiter vergrößert und verschönert. Der Ausbau von Vereinsheim und Tierwarmhaus fallen in diese Zeit.

7. Neuwahl der Vorstandschaft

Die Fertigstellung unserer Futterküche mit Kühlraum und einem Stall zur Haltung der Futtertiere konnte der damalige 1. Vorsitzende, Hans Kisslinger, nicht mehr erleben. Er verstarb im Juni 1983, nachdem er 30 Jahre die Geschicke des Vereins leitete. Unter seiner Führung und durch seinen persönlichen Einsatz wurde der Wasserstern zu einem zoologischen Anziehungspunkt für die Stadt Ingolstadt und Umgebung.

Bis zur Neuwahl leitete der 2. Vorsitzende, Ludwig Augustin zusammen mit dem Geschäftsführer, Erich Fischer den Verein.

Am 9. Februar 1984 wurde Erich Fischer zum neuen Vorsitzenden gewählt, der wiederum in 2005 nach über 20jähriger Arbeit in diesem Amt das Ruder an Karl-Heinz Prestele übergab.

8. Sieger beim landesweiten Wettbewerb

Unter der neuen Vereins-Leitung wurde der Ausbau der Anlagen weiter vorangetrieben. So wurde der Auslauf der Ozelots über der Schutter total erneuert und die Heizung zu den Säugetieren am Schutterufer verlegt.

Im Zeitraum von Mai bis Juli 1984 wurde das gesamte Schutterufer neu gestaltet. Bei einem landesweiten Wettbewerb „Naturnahe Gewässer“ erhielten wir hierfür 1985 den 1. Preis.

In den Jahren 1986 bis 1987 entstand eine Terrarienanlage im alten Maxlhaus, sowie zwei Großterrarien für Wasserschildkröten und Leguane.

Neu gestaltet wurde auch die Anlage für Amazonen, Kleinpapageien und Wellensittiche. Der Bau einer Großvoliere, getrennt für Uhus und Schnee-Eulen, bildete auch hier wieder einen „vorläufigen“ Abschluß der Bautätigkeiten.

Zum Jahresabschluß 1987 zählte der Verein 550 Mitglieder.

9. Das „Jahrhundertbauwerk“

Schallschutztechnische Erwägungen machten den Neubau des Maxl- und Terrarienhauses 1996 erforderlich. Unter Teilnahme von Oberbürgermeister Peter Schnell, Staatssekretär Regensburger, MdL Dr. Götz sowie MdL Dr. Schuhmann erfolgte am 19. Januar 1996 der erste Spatenstich. Richtfest wurde bereits am 22. April 1996 gefeiert und der Umzug der ersten Tiergruppe, unserer Papageien, in das fertige Tierhaus erfolgte am 17. Januar 1997. Das „Jahrhundertbauwerk“ hatten wir mit einer Eigenleistung von über 2.000 Arbeitsstunden innerhalb eines Jahres geschafft. Der „Star“ des Wassersterns, unser Alligator Maxl, wurde unter großem Besucherandrang am 1. Februar 1997 in sein neues Domizil umgesetzt.

So ganz nebenbei wurde in dieser Zeit die Anlage der Waschbären und der Landschildkröten erneuert. Die Zahl der Vereinsmitglieder ist auf 630 angewachsen.

Fortsetzung folgt…